“Erst wenn die Ebbe kommt, sieht man, wer nackt schwimmt”
BERLIN. Die US-Konjunktur ist nach Ansicht des erfolgreichen Wirtschafts-Autors Robert Kuttner nach wie vor sehr labil. Positive Impulse auf die deutschen Maschinenbauer sind von dieser Seite in nächster Zeit also kaum zu erwarten.
von Andreas Karius
Die Industrie stehe in den USA traditionell auf schwachen Füßen, erklärte Kuttner auf dem 4. Deutschen Maschinenbau-Gipfel. Nach Ansicht vieler Ökonomen sollte die wachsende Dienstleistungswirtschaft den Schwund in der Industrie kompensieren. “Aber die meisten dieser Dienstleistungen waren Finanzdienstleistungen und davon waren viele nur eine Finanzblase, wie sich jetzt gezeigt hat”, sagte Kuttner. “Erst wenn die Ebbe kommt, sieht man, wer nackt geschwommen ist”, zitierte Kuttner in diesem Zusammenhang den amerikanischen Milliardärs Investmentguru Warren Buffet.
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Robert Kuttner, US-amerikanischer Autor und Ökonom, sieht die US-Wirtschaft noch nicht in sicherem Fahrwasser. (Bild: Anna McMaster). |
Besonders düster sieht es laut Kuttner für die amerikanische Autoindustrie aus: “Die Administration hat zwar 75 Milliarden Dollar ausgegeben, um General Motors und Chrysler zu retten, dennoch ist unklar, ob diese überhaupt in der Lage sind, ein Auto zu bauen, dass die amerikanischen Verbraucher kaufen wollen”, erklärte Kuttner.
Anders als in Deutschland fehle in den USA ein starkes System zur Unterstützung der Verarbeitenden Industrie. “In den USA gibt es keine Tradition starker Industrieverbände oder der systematischen Berufsausbildung”, sagte Kuttner. Die Ansicht der beiden großen US-Parteien sei bislang gewesen, dass der eigentliche Produktionsstandort keine Rolle spiele, solange das Mutterunternehmen wettbewerbsfähig und profitabel bleibe. Anders als Japan, Korea, Brasilien oder China förderten die USA ihre Industrie nicht aktiv – eine Ausnahme bildeten die riesigen Militärausgaben. Dieser “Nebeneffekt” habe aber seit dem Ende des Kalten Krieges abgenommen, da die US-Verteidigungsausgaben in Relation zum Bruttoinlandsprodukt seither deutlich zurückgegangen sind.
Auch die von der Obama-Administration eingeleiteten Investitionsanreize bei Erneuerbaren Energien und Massenverkehrsmitteln sind laut Kuttner nicht ausreichend, um die strukturelle Schwäche der US-Industrie entscheidend zu verringern.
