“Nach der Party kommt der Hausputz”

BERLIN. Worauf es für die Unternehmen jetzt ankommt und warum gerade Familienunternehmen in der Krise profitieren können, skizzierte Dr. Heinrich Weiss, Vorsitzender der Geschäftsführung der Düsseldorfer SMS GmbH in seinem Vortrag auf dem 4. Deutschen Maschinenbau-Gipfel.

von Andreas Karius

Noch im April 2008, als sich die Finanzkrise abzeichnete, hätten 90 % der Unternehmer, vor allem aus dem Maschinenbau, die Krise als eine reine Krise der Finanzbranche angesehen, erklärte Weiss. Jetzt sollten Unternehmen die Rezession nutzen, um zu rationalisieren und Liquidität freizusetzen, sagte Weiss. Dabei gehe es nicht in erster Linie um Kostensenkung und Personalabbau, sondern darum, die Abläufe zu verbessern, zu investieren, um mit modernen Anlagen die Produktivität zu erhöhen und Lagerbestände abzubauen, um Cash freizusetzen. “Nach der Party muss man Hausputz machen. Die Party war lang und größer als je zuvor, deshalb gibt es jetzt besonders viel aufzuräumen”, sagte Weiss. Gerade nach dem Boom gelte es, überkommene Strukturen zu hinterfragen.

Dr. Heinrich Weiss, Vorsitzender der Düsseldorfer SMS GmbH, sieht Familienunternehmen gegenüber Großkonzernen im Vorteil (Bild: Anna McMaster).

“Kluge Unternehmen investieren jetzt in Rationalisierung”, die aktuell viel günstiger zu haben sei als im Boom, so Weiss. Finanziell unabhängige Unternehmen könnten es sich außerdem erlauben, die Stammbelegschaft zu halten, um einen “Brain Drain” wie in den früheren Rezessionen zu verhindern. Gerade jetzt seien zudem technische Innovationen und eventuelle günstige Firmenzukäufe nicht zu vergessen.

Außerdem sei es jetzt wichtig, sich um das “Humankapital” zu kümmern und Mitarbeiter zu fördern, “die leisten wollen, aber nicht können”. Zu den Krisenmaßnahmen für Unternehmen gehöre außerdem, Dinge wieder zurückzuholen, die in Boomjahren ausgelagert wurden und sich verstärkt um den Service bei Kunden zu kümmern. Gerade Familienunternehmen hätten den Vorteil, die Mitarbeiter besser einzusetzen, sie am Unternehmen zu beteiligen, sie mitleben und mitatmen lassen zu können und sich so von den großen Konzernen abzusetzen. Generell seien dezentral organisierte Unternehmen erfolgreicher als zentral organisierte. “Die Idee des zentral gesteuerten, monolithischen Unternehmens ist tot”, sagte Weiss.

Zudem zahle es sich jetzt für Familienunternehmen aus, dass sie hierzulande normalerweise nur 10 bis 20% des Nettogewinns ausschütteten, so Weiss. Familienunternehmen seien deshalb oft gut mit Eigenkapital ausgestattet, liquide und nicht von Banken abhängig. Diese Unternehmen könnten jetzt ganz anders durch die Krise gehen als börsennotierte Firmen oder Automobilzulieferer, die von “Heuschrecken” finanziert wurden und die “prompt beim ersten Windstoß umgefallen und pleite gegangen sind”, so Weiss.

Um der wachsenden globalen Konkurrenz zu begegnen, empfahl Weiss, das reine Fertigungsgeschäft mit mehr Systemkompetenz auszustatten und durch Service, Elektrik und Automation zusätzliche Geschäftsfelder in Zusammenhang mit den eigentlichen Produkten zu schaffen. Der Manager wandte sich in diesem Zusammenhang auch gegen Perfektionismus und Technik-Verliebtheit der deutschen Ingenieure: “Wir müssen von den Asiaten und den Amerikanern lernen, nur das anzubieten, was den Zweck erfüllt”, sagte Weiss.

Die Kombination von Innovationskraft, Fleiß und sozialem Konsens erweise sich aber weiterhin als ein bewährter Standortvorteil Deutschlands, den es gerade in der derzeitigen Krise zu nutzen gelte. “Diese Kombination wird jetzt mit der neuen Konstellation in der Bundespolitik hoffentlich wieder möglich sein”,