Insights | Deutscher Maschinenbau-Gipfel
News Maschinenbau-Gipfel 2019

5 Insights auf dem Maschinenbau-Gipfel 2019

Rezession

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau steht vor den größten Herausforderungen seit Jahrzehnten. Am 15. und 16. Oktober werden in Berlin die Entwicklungen diskutiert, die der Branche besonders viel abverlangen – und welche Strategien und Lösungen helfen können.


Einer aktuellen Umfrage zufolge ist nach Meinung der befragten 900 Anleger aus dem Boom der letzten Jahre eine Rezession geworden. Die Lageeinschätzung des Investment-Beratungshauses Sentix fiel auf den niedrigsten Stand seit März 2010. Die düstere Prognose lautet: Es deute nur wenig darauf hin, dass es Deutschland aus eigener Kraft zurück zu Wachstum schaffen kann. Auch das Wirtschaftsforschungsinstitut DIW prognostiziert eine Rezession ab dem dritten Quartal. Diesen Entwicklungen muss auch der Maschinen- und Anlagenbau standhalten und Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit finden. 

 Handelskonflikte und die Unterminierung alter Werte

Speziell die Investitionsgüterbranche hat zunehmend mit konjunkturellen Schwankungen und einer gestiegenen Volatilität zu kämpfen. Da sind der drohende Brexit ohne Deal, die Spannungen zwischen den USA und China wegen Handelszöllen und die Tatsache, dass durch die Demokratiebewegung in Hongkong jederzeit eine eindeutigere Wertepositionierung der Politik erforderlich sein kann, mit unklaren Auswirkungen auf wirtschaftliche Beziehungen.

Auch mit Blick auf Südamerika gibt es Probleme. Die Waldbrände im Amazonas haben Besorgnis ausgelöst und die Ratifizierung des Mercosur-Abkommens könnte aus klimapolitischen Erwägungen noch blockiert werden. Vor allem sorgt die Lage für eine Unsicherheit, die sich immer massiver auf Investitionen auswirkt. Auf dem Maschinenbau-Gipfel nehmen sich im Konferenzstrang „Märkte“ eine ganze Reihe von Rednern dieser Herausforderungen an, darunter Professor Simon Evenett von der Uni St. Gallen, Wirtgen-Geschäftsführer Reimund Felderhoff oder Rainer Hundsdörfer, CEO der Heidelberger Druckmaschinen AG.

Klimawandel: Nachhaltigkeit verlangt bald mehr als Lippenbekenntnisse

Die deutlicher spürbaren Auswirkungen des Klimawandels beschäftigen die Menschen stärker, auch traditionelle Parteien greifen diese Stimmung nun auf. In den nächsten Jahren ist mit neuen Gesetzen und Besteuerungsmodellen für CO2  zu rechnen. Zwar hat der VDMA schon 2017 Leitsätze zur Nachhaltigkeit veröffentlicht und große Unternehmen wie ZF, Schaeffler oder Kärcher publizieren bereits Nachhaltigkeitsberichte, aber es gibt viel Luft nach oben. Perspektivisch wird die Kapitalbeschaffung einfacher für diejenigen Unternehmen, die nachhaltig agieren. Über Ansätze wie die Kreislaufwirtschaft 4.0 berichtet beispielsweise Dr. Henning Wilts vom Wuppertal Institut

Transformation

Geschwindigkeit der digitalen Transformation entscheidet über künftigen Unternehmenserfolg

Digitalisierung kann Antworten auf viele Herausforderungen geben, zum Beispiel durch neue Geschäftsmodelle. Aber sie ist eben kein Vorhaben, das sich in ein oder zwei Jahren bewältigen lässt: Es geht um eine multidimensionale Transformation, nicht nur der IT, sondern der Organisation und Kultur des gesamten Unternehmens – die Beziehungen in der Wertschöpfungskette eingeschlossen. Die technologischen Möglichkeiten sind neu und können nur individuell genutzt werden, deshalb hat die digitale Transformation sehr viel mit Lernen zu tun. Ein so gewonnener Vorsprung kann von Wettbewerbern später nur schwer aufgeholt werden. Zwar sind die Vorteile unbestritten, doch stellt eine Studie vom Softwareanbieter Celonis fest: Die meisten Unternehmen beschäftigen sich bereits mit der Umsetzung, bevor sie überhaupt ihre Ziele und Prioritäten festgelegt haben. Die aktuelle Analyse unter 1.000 Top-Level-Entscheidern zeigt, dass Fachmitarbeiter nicht genügend einbezogen werden. Fast sechs von zehn Führungskräften geben an, dass sie nicht wissen, wo sie bei der Entwicklung ihrer Transformationsstrategie ansetzen sollen. Oft wird in Einzelprojekte investiert, deren Gesamtnutzen unklar ist. Über neue Technologien wie 5G diskutieren zum Beispiel auf dem Gipfeltreffen Herbert Wegmann, General Manager bei Siemens, und Dr. Guido Beckmann von Beckhoff Automation. 

Der Wandel der Mobilität verändert die Branche

Bis 2030 könnten mindestens 30 Prozent der jährlich weltweit hergestellten Fahrzeuge rein elektrisch, weitere 40 Prozent als Hybrid mit Elektro- und Verbrennungsmotor ausgestattet sein. Die Branche hat sich in großen Teilen auf ein Nebeneinander von Verbrennungs- und Elektromotor in den nächsten Jahren eingestellt. Dennoch sind die Herausforderungen groß, die auf die Unternehmen zukommen. Der Einstieg in ganz neue Technologiefelder ist nicht ohne Risiko, neben neuen Denkansätzen sind auch andere Qualifikationen, personelle und finanzielle Ressourcen notwendig. Dabei bleibt die Unsicherheit, welche Technologie sich schließlich durchsetzen wird, auf absehbare Zeit erhalten. In Berlin sprechen dazu unter anderen Dr. Rudolf Maier von der Bosch Management Support GmbH und Schaeffler-Technologievorstand  Prof. Peter Gutzmer

Der Innovationsdruck nimmt eher noch zu

Deutschland liegt im Globalen Innovationsindex 2019 erneut auf Platz 9, hinter Ländern wie der Schweiz, Schweden oder den Niederlanden. Zwar gehört der Maschinenbau zu den Innovationstreibern, die Ausgaben für F&E stagnieren jedoch tendenziell seit 2016. Innovation ist vor allem im Bereich neuer Geschäftsmodelle dringlich. Noch tun sich viele Unternehmen extrem schwer damit, auf Basis der neuen technologischen Möglichkeiten andere und ergänzende Geschäftsmodelle und -Chancen auszubuchstabieren. Early Adopter zeigen, dass zum Beispiel der Wandel vom Maschinenverkauf hin zu Abo-Modellen durchaus funktionieren, sogar mit Blick auf zunehmende Marktvolatilität hilfreich sein kann. Viele Unternehmen reagieren auf diese Herausforderung, indem sie zum Beispiel Tech-Startups kaufen, die ihre Transformation beschleunigen helfen. Teilweise werden auch eigene Startup-Strukturen außerhalb der traditionellen Organisation aufgebaut. Aufgabe aller Unternehmen ist jedoch, agiler zu werden – ein kultureller Wandel, der Zeit, Augenmaß und Mitarbeiterpartizipation erfordert. Dazu berichten zum Beispiel Thomas Pilz, Geschäftsführender Gesellschafter beim Automatisierungstechnik-Hersteller Pilz und Jochen Bechtold von Capgemini.

 

 

Autorin: Daniela Hoffmann