KI erobert Maschinenbau | Deutscher Maschinenbau-Gipfel
News Maschinenbau-Gipfel 2019

In diesen Bereichen profitiert der Maschinenbau von Künstlicher Intelligenz

Das Thema Künstliche Intelligenz steht beim Maschinenbau-Gipfel in Berlin weit oben auf der Agenda. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion spricht auch Dr. Stefan Wess vom KI-Pionier Empolis über die Technologie. Für ihn überwiegen die Chancen der Assistenzsysteme, die Menschen künftig bei ihren Aufgaben unterstützen.


Herr Dr. Wess, in welchen Bereichen kann der Maschinen- und Anlagenbau von KI profitieren? Und welche Risiken ergeben sich, wenn man die Entscheidungsfindung immer stärker auf KI-Technologie basiert?

Dr. Stefan Wess: Die industrielle Revolution hat uns Kraftverstärker beschert, KI hilft uns jetzt, Denkverstärker zu bauen. Ein Team aus Mensch und Bagger ist effizienter als ein Mensch mit Schaufel. Diese Analogie gilt weiter: Mit KI entstehen Assistenzsysteme, die dabei helfen, mehr Informationen in kürzerer Zeit zu verarbeiten und im richtigen Kontext schneller zu analysieren – das ist eine wichtige Hilfestellung, weil die Welt immer komplexer wird. KI lässt sich eigentlich in fast allen Bereichen einsetzen, in der Entwicklung, Produktion, im Verkauf und vor allem im Service. So lassen sich die Erkenntnisse aus dem Maschinenbetrieb und dem Service zum Beispiel wieder in die Konstruktion zurückspielen oder für die Optimierung beim Kunden nutzen.Es ist aber wichtig zu sagen, dass es zwei wesentliche Strömungen in der KI gibt. Wir haben es heute vor allem mit der „schwachen“ KI zu tun, die den Mensch in bestimmten Funktionen unterstützt. Umfragen zum Beispiel vom BITKOM zeigen, dass Mitarbeiter diesen Technologien durchaus aufgeschlossen gegenüber stehen. Es gibt hingegen noch keine Belege dafür, dass wir jemals in der Lage sein werden, eine wirklich intelligente Machine zu erschaffen.

Wie werden sich Geschäftsmodelle durch KI in diesem Umfeld verändern?

Der Trend ganz klar und sichtbar hin zu „Everything as a Service.“ Eine große Veränderung besteht darin, dass die Branche mehr Kontakt zu ihren Kunden bekommt. Während früher der Kunde die Maschine übernahm und der Hersteller nur wenig darüber wusste, wie sein Produkt betrieben wird, ändert sich das gerade massiv. Bei vielen Anlagen und Maschinen kommt es darauf an, die Parameter auf die jeweilige Produktion abzustimmen. Im Moment machen das Menschen, die oft eine langjährige Erfahrung haben, eher aus dem Bauch heraus. Viele davon sind aus der Generation der Babyboomer, die bald in Rente gehen. Deren Knowhow darf aber nicht verloren gehen, Stichwort OEE, Overall Equipment Effectiveness. Hier können KI-Lösungen beitragen, Wissen zu konservieren.

Ist es eine Option, das Thema KI auszusitzen?

Nein. Unternehmen, die das Thema verpassen, werden aus ganz unterschiedlichen Gründen ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren, vor allem, weil sie weder effektiv noch effizient genug sein werden und durch Fachkräftemangel sowie demografischen Wandel den Anschluss verpassen.

Autorin: Daniela Hoffmann