KI in China | Deutscher Maschinenbau-Gipfel
News Maschinenbau-Gipfel 2019

Europäische KI als Gegengewicht zu China

KI in China

In der Künstlichen Intelligenz will China bis 2030 globaler Leitmarkt werden. Dabei geht es erklärtermaßen nicht um Grundlagenforschung, sondern um die industrielle Anwendung. Dem muss Europa eine konzertierte Innovationsstrategie rund um eine KI vorlegen, die auf freiheitlichen Werten basiert.

Zumindest mit Blick auf die Fördermittel scheinen die Kräfte derzeit sehr ungleich verteilt. Vor kurzem haben die EU-Kommission und nationale Regierungen vereinbart, bis 2020 etwa 20 Milliarden Euro in KI zu investieren. Dazu sollen jedoch auch die Unternehmen ihren Beitrag leisten. Sieben Milliarden kommen aus den öffentlichen Haushalten. Auf der anderen Seite investieren schon einige chinesische Städte allein ähnlich große Beträge, so will Schanghai 15 Milliarden Dollar für eine Smart City ausgeben. 

EU kann sich mit KI auf positiven Werten profilieren

Damit es nicht nur bei Lippenbekenntnissen bleibt, müsse die Politik mit Hilfe der Forschung klare Schwerpunkte und strategische Ziele festlegen, um das vorhandene Geld möglichst zielorientiert und nutzbringend zu investieren, meint Prof. Wilhelm Bauer, Geschäftsführender Institutsleiter Fraunhofer IAO. Doch es gibt auch Grund zu Optimismus: „Bei alldem darf allerdings nicht vergessen werden, dass europäische Unternehmen und Forschungsorganisationen im Bereich der KI heute schon eine bedeutende Rolle spielen“, konstatiert Bauer, der auch Vorsitzender des Fraunhofer-Verbunds Innovationsforschung ist. Die Grünen argumentieren, dass die Investitionen in KI nicht ausreichen. Nur mit „KI made in Europe“ lasse sich gewährleisten, dass künftige Produkte auf der Grundlage freiheitlicher Werte beruhen und beispielsweise nicht zur Kontrolle der Bürger missbraucht werden können.

Ethik

Europäische Kommission prüft Machbarkeit von Ethikregeln

Immerhin hat eine unabhängige europäische Expertengruppe nun im April ihre ethischen Leitlinien für vertrauenswürdige Künstliche Intelligenz  vorgestellt. Die darin enthaltenen Anforderungen betreffen unter anderem die Themen Kontrolle, Sicherheit, Datenschutz, der Nichtdiskriminierung, Verantwortlichkeit und Transparenz der Algorithmen. Im Rahmen einer Pilotphase will die EU-Kommission nun herausfinden, ob diese ethischen Leitlinien für Künstliche Intelligenz von Unternehmen, Forschern und Behörden in die Praxis umgesetzt werden können. „Ethische Künstliche Intelligenz ist ein Win-Win-Angebot, das zu einem Wettbewerbsvorteil für Europa werden kann: eine Führungsrolle in der menschenzentrierten Künstlichen Intelligenz  zu übernehmen, der die Menschen vertrauen können“, meint Andrus Ansip, Vizepräsident für den digitalen Binnenmarkt.

Unternehmen müssen mit vagen KI-Vorgaben klarkommen

Für die Unternehmen selbst ist es entscheidend, bei KI-Entwicklung und beim KI-Einsatz auch immer die Ethik mitzudenken, sonst kann die Kundenmeinung schnell kippen. Dazu gehört, bei den zu analysierenden Daten genau hinzuschauen. Personenbezogenen Daten müssen in vielen Szenarien anonymisiert werden. Die Datenschutz-Grundverordnung schreibt eine „ausreichende Anonymisierung“ vor. Experten meinen: Die Formulierung ist vage und schafft eher Unsicherheit für die Unternehmen.

Auf dem Maschinenbau-Gipfel in Berlin am 15. und 16. Oktober diskutieren zum Thema „Wie weit dürfen wir der KI trauen“ unter anderem Prof. Thomas Metzinger von der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz, Henrik Schunk als geschäftsführender Gesellschafter der Schunk GmbH & Co. KG aus Lauffen und Dr. Stefan Wess, geschäftsführender Gesellschafter und Mitglied im Aufsichtsrat des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz. Zudem ist ein ganzer Konferenzstrang dem Thema gewidmet, wie Unternehmen aus der Branche von KI profitieren können – zum Beispiel durch deren Einsatz in der Produktion. 

 

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Künstliche Intelligenz wird zum Wettbewerbsfaktor


 

Autorin: Daniela Hoffmann