Die neue Volatilität | Deutscher Maschinenbau-Gipfel
News Maschinenbau-Gipfel 2019

Märkte: Das Geschäft ist durch eine neue Volatilität geprägt

Heidelberger Druck_Rainer Hundsdörfer

Am 15.10. diskutiert Rainer Hundsdörfer, CEO von Heidelberger Druckmaschinen, auf dem Maschinenbau-Gipfel über Erfolgsfaktoren für das Investitions-Gütergeschäft in schwierigen Zeiten. Im Interview verrät er seine Strategie angesichts von Herausforderungen durch eine neue Volatilität.


Herr Hundsdörfer, welche Themen treiben die Branche derzeit besonders stark um?

Hundsdörfer: Da ist zum einen das Thema Digitalisierung und die Frage, welche Auswirkungen es für die Maschinenbauer hat und wie man damit umgeht: Dazu gehören das Vorantreiben des Vertragsgeschäfts mit Abo- und Subskriptionsmodellen und der Einsatz von Big Data, um die Produktivität zu verbessern.
Ziel ist, mit den neuen Geschäftsmodellen auch die jetzige Volatilität am Markt zu reduzieren, denn in der Investitionsgüterbranche gehen wir ja immer mit der Konjunktur. Auch wenn man momentan noch keine Rezession erkennt, erleben wir doch starke Schwankungen von Monat zu Monat – da hat sich etwas verändert.
Auch regional ist das Geschäft sehr unterschiedlich: Die Frage, wie sich die Marktschwäche managen lässt, beschäftigt alle in der Branche massiv, mit denen ich rede. Wie wird gesteuert, um Cashflow und Net Working Capital im Griff zu behalten?

Wie schätzen Sie die Marktentwicklung ein zum Beispiel mit Blick auf die stagnierende Konjunktur in China und Handelskonflikte? Wo liegen derzeit die Risiken?

In unserer Branche blicken wir auf ein gemischtes Bild. Während es in China trotz Handelskonflikt sehr gut läuft, ist das Geschäft in Deutschland und Europa eher träge geworden, in England aufgrund des Brexits schwach. Für Europa lässt sich sagen: Abschlüsse dauern länger, die Unsicherheit ist größer. Ich denke, dass China schon in diesem, spätestens im nächsten Jahr größter Einzelmarkt für uns wird. Es ist bereits jetzt unser stärkster Wachstumsmarkt mit 25 Prozent mehr Aufträgen im Vergleich zum Vorjahr. 80 Prozent dessen, was wir dort verkaufen, produzieren wir vor Ort in hoher Qualität zu günstigen Kosten. Wir profitieren davon, dass sich die chinesische Druckindustrie konsolidiert.
Zu den größten Risiken insgesamt gehört eine weitere Abkühlung der Konjunktur. Wir bereiten uns darauf vor, um gegebenenfalls kurzfristig reagieren zu können. Um dann den Abbau von Arbeitszeitkonten zu ermöglichen, haben wir vorsichtshalber Kurzarbeit angemeldet. Wir gehen aber weiterhin davon aus, dass wir das Jahresziel erfolgreich erreichen können.

Heidelberger Druck_Rainer Hundsdörfer_1

Was ist Ihr Erfolgsrezept und Ihre Strategie mit Blick auf die Veränderungen in den Märkten?

Wir wollen unsere Digitalstrategie mit neuen Produkten wie  Digitaldrucksystemen auf Basis der Tintenstrahltechnologie  konsequent vorantreiben, um neue Märkte beziehungsweise Segmente zu erschließen – und mit dem Vertragsgeschäft die Abhängigkeit von der Konjunktur weiter verringern. Dafür bauen wir eine IoT-Plattform auf, auf der wir Leistungen und Material auch von Dritten anbieten werden. Um hier schneller zu sein, haben wir ein Software-Unternehmen gekauft, das Start-up Crispy Mountain. Auf Basis unseres Datenwissens können wir Kunden  künftig automatisiert beispielsweise mit Verbrauchsmaterialien beliefern. Mittelfristig wollen wir so den Umsatz aus Vertragsgeschäften auf 30 Prozent erhöhen und den Lifecycle-Umsatz auf zwei Drittel.

Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die Digitalisierung für den Erfolg im Wettbewerb? Wie wichtig werden Ökosysteme und IoT-Plattformen?

Neue, digitale Ökosysteme sind zukunftsweisend. Diesen Trend sehen wir überall in der Industrie. Die Daten sind der Schlüssel zur Skalierung, das ist die Herausforderung, die wir gerade meistern müssen. Heidelberg ist hier Vorreiter: Auf der Drupa im nächsten Jahr wollen wir erste Funktionen und Partner unserer Plattform rund um alle Services im Druckprozess vorstellen. Unser Ziel ist, mit Hilfe neuer Technologien zur führenden Plattform der Print-Media-Industrie zu werden. Disruption bedeutet auch: Wenn wir es nicht tun, wird das ein anderer machen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

 

 

Autorin: Daniela Hoffmann