Rückblick 2019 | Deutscher Maschinenbau-Gipfel
News Maschinenbau-Gipfel 2019

Das brachte der bisher größte Maschinenbau-Gipfel

Angela Merkel 11. Deutscher Maschinenbau-Gipfel

Mit rund 700 Teilnehmern und über 100 Referenten in drei Konferenzsträngen hat der diesjährige Maschinenbau-Gipfel alle Rekorde gesprengt. Die Teilnehmer zeigten sich von der thematischen Breite begeistert. 


In Berlin traf sich die Branche Mitte Oktober zum 11. Maschinenbau-Gipfel, diesmal moderiert von der Fernsehjournalistin Ursula Heller vom Bayrischen Rundfunk. Auf den drei Bühnen fanden über 50 Vorträge, Talks und Diskussionsrunden statt. Zu den Highlights gehörte die Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel gleich zum Auftakt des Treffens. Merkel versprach, sich weiter für Bürokratieabbau einzusetzen, speziell mit Blick auf das Europäische Entsendegesetz. VDMA-Präsident Carl M. Welcker hatte das Thema zuvor angesprochen, Merkel aber auch für ihren Einsatz für eine multilaterale und regelbasierte Weltordnung gedankt. 

Am ersten Tag wurde zudem der Preis Deutscher Maschinenbau während der unterhaltsamen Abendveranstaltung im Tipi am Kanzleramt verliehen: Die Ehrung ging in diesem Jahr an den Österreicher Friedrich K. Eisler von Weiler Werkzeugmaschinen, der damit für sein Lebenswerk und sein Engagement ausgezeichnet wurde.

Hintergründe und Erfahrungswissen teilen

In Berlin wurde aber auch spürbar, dass sich die Konjunktur merklich abkühlt: So zeigte eine Teilnehmerumfrage, dass immerhin 53 Prozent der Unternehmen für die nächsten sechs Monate von einer ungünstigeren Geschäftsentwicklung als bisher ausgehen. Nur 13 Prozent rechnen mit einer Verbesserung. 

Kein Wunder also, dass sich in diesem Jahr noch deutlicher zeigte, wie wichtig und fruchtbar der Austausch innerhalb der Branche ist. Angesichts gemeinsamer, gravierender wirtschaftlicher und technologischer Herausforderungen wurde in den Vorträgen sehr viel Erfahrungswissen weitergegeben. So sprachen beispielsweise ein Bosch-Experte über Power2X in der Mobilität und Vertreter von Festo und Trumpf über ihre Erkenntnisse aus dem Einsatz künstlicher Intelligenz

Applaus

Neue Herausforderungen und Gefahren meistern

Viele Experten waren sich einig: In Sachen KI hat die deutsche Industrie, anders als der Consumer-Bereich, durchaus noch gute Chancen, sich zu behaupten. Die Ergebnisse aus Praxisprojekten legen nahe: KI-Algorithmen sind in der Produktion vor allem dann erfolgreich, wenn das detaillierte Know-how der Fachmitarbeiter über Wirkmechanismen mit einbezogen wird. Immerhin zwei Drittel der Teilnehmer des gut besuchten Konferenzstrangs „Digitalisierung“ gaben in einer Saalumfrage an, ein KI-basiertes Produkt oder eine Dienstleistung am Markt platzieren zu wollen.

Die zunehmende Digitalisierung macht Unternehmen aber auch angreifbarer: Die Gefahr, gehackt und mit Ransomware erpresst zu werden, wird in der Branche noch immer unterschätzt. Das machte nicht nur der Vortrag von BSI-Präsident Arne Schönbohm (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) deutlich, sondern auch der nachdrückliche Bericht eines aktuell betroffenen Unternehmers. Diese hautnahe Erfahrung nahmen sicherlich viele Gipfelteilnehmer mit nach Hause.

Fazit: Europa muss Gegengewicht sein

Das bisher größte Gipfeltreffen endete mit einer Podiumsdiskussion, in der die Frage nach ethischen Erwägungen rund um Anwendungen Künstlicher Intelligenz gestellt wurde. Das Fazit: Bei den eher Assistenzsystem-orientierten Szenarien, die derzeit in der Industrie erprobt werden, braucht sich die Branche keine Sorgen zu machen. Bei den gesellschaftlichen Folgen von KI-Analysemöglichkeiten sieht das jedoch anders aus. An mehreren Stellen des Gipfeltreffens wurde deutlich, wie wichtig es ist, dass Europa ein Gegengewicht zu China und den USA setzt – sei es bei Standards, der Datensouveränität, bei  Menschenrechten oder eben bei KI.

An beiden Konferenztagen fanden darüber hinaus Startup-Pitches statt, die spannende Anwendungen und Ideen für die Industrie vorstellten. Der diesjährige Startup-Award ging an Gerotor, ein junges Unternehmen aus Puchheim bei München. Die Gründer haben einen elektromechanischen Ultrakurzzeitspeicher entwickelt, der elektrische Energie, Kosten und Emissionen bei dynamischen Prozessen einsparen soll. Insgesamt präsentierten sich 31 Partner sowie 43 Startups. Unterstützt wurde das Gipfeltreffen vom Hauptsponsor MHP.

Anhand der begeisterten Reaktionen vieler Teilnehmer war deutlich: Die harte Arbeit in der Vorbereitung einer Branchenkonferenz, die in ihrer Themenvielfalt nur schwer zu überbieten ist, hat sich gelohnt!

 

 

Autorin: Daniela Hoffmann